Kölner Immo-News Themen 10.09.26:

  • Marktdaten (Lead): 5,68 Mrd. € Umsatz, +21 % – aber Angebot ist nicht Kaufpreis (Lindenthal +12 %)
  • Zinsen: EZB entscheidet heute 14:15, 2,50 % erwartet, Bauzins um 4 %
  • Praxis: Herbstfenster – wer im Oktober inserieren will, bereitet jetzt vor
  • Stadtentwicklung: Kölns Bauüberhang auf Rekordhoch – 10.308 genehmigt, nie gebaut
Kölner Immo-News KW 37 | Angebot ist nicht Kaufpreis – der amtliche Marktbericht

Kölner Immo-News

Wöchentliche Marktanalyse von ImmoBiehler

KW 37 | 10. September 2026

Lesezeit: 6 Minuten

Diese Woche geht es um eine Zahl, die auf keinem Portal steht: den Abstand zwischen dem, was Verkäufer aufrufen, und dem, was beim Notar tatsächlich unterschrieben wird. Dazu entscheidet die EZB heute um 14:15 Uhr über den Leitzins, wir zeigen das Verkaufsfenster, das sich jetzt öffnet – und warum in Köln 10.308 genehmigte Wohnungen nie gebaut wurden.

5,68 Mrd. Euro, +21 %: Der Kölner Markt läuft – aber nicht zum Angebotspreis

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte hat für 2025 jeden beim Notar beurkundeten Verkauf ausgewertet: 7.831 Kaufverträge, zusammen 5,68 Milliarden Euro Geldumsatz – rund 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Kölner Markt bewegt sich also deutlich stärker, als die flache Durchschnittspreis-Kurve vermuten lässt. Entscheidend ist, welche Zahl man liest: Portale werten Angebotspreise aus – das, was Eigentümer aufrufen. Der Gutachterausschuss zählt beurkundete Kaufpreise – das, was am Ende fließt. Zwischen beiden liegt die Verhandlung, und die ist in einem Markt mit schwieriger Preisfindung erheblich.

Wie groß die Lücke wird, zeigt der Blick auf die Toplagen: In Lindenthal liegen die Angebotspreise nach einer Auswertung der amtlichen Bodenrichtwert-Rohdaten rund 12 Prozent über den tatsächlich beurkundeten Kaufpreisen. Wer seinen Angebotspreis am Portal-Durchschnitt der Nachbarn ausrichtet, startet systematisch zu hoch – und ein zu hoher Start kostet in Köln zuerst Zeit und danach Preis. Der Median-Bodenrichtwert liegt stadtweit bei 870 Euro je Quadratmeter, die Spanne reicht von 370 Euro in Randlagen bis 3.100 Euro in den Spitzenveedeln.

7.831
beurkundete Kaufverträge in Köln, 2025
5,68 Mrd. €
Geldumsatz, rund +21 % zum Vorjahr
+12 %
Angebot über Kaufpreis in Lindenthal

Eigentümer: Richten Sie Ihren Angebotspreis an beurkundeten Kaufpreisen aus, nicht am Portal-Wunschwert der Nachbarn. Wir belegen Ihren Preis mit den Verkaufsfällen Ihres Veedels aus der amtlichen Kaufpreissammlung – das trägt in jeder Verhandlung.

Käufer: Der Angebotspreis ist der Startpunkt, nicht der Marktwert. In gefragten Lagen wie Lindenthal ist zweistelliger Verhandlungsspielraum belegbar – mit den richtigen Vergleichsdaten.

EZB entscheidet heute um 14:15 – 2,50 % erwartet, Bauzins bei 4 %

Heute um 14:15 Uhr gibt die EZB ihren Zinsentscheid bekannt, um 14:45 Uhr folgt die Pressekonferenz. Die Mehrheit der Ökonomen erwartet die zweite Anhebung in Folge: den Einlagesatz von 2,25 auf 2,50 Prozent – getrieben von einer Inflation, die im Euroraum zuletzt bei rund 2,9 Prozent lag, teuren Energiepreisen und einem robusten US-Arbeitsmarkt. Einige Marktteilnehmer preisen für Dezember bereits einen weiteren Schritt ein.

Für Ihre Finanzierung zählt weniger die Schlagzeile als die Mechanik: Bauzinsen folgen nicht dem Leitzins, sondern den zehnjährigen Bundesanleihen und Pfandbriefen – und dort ist der heutige Schritt längst eingepreist. Für eine zehnjährige Zinsbindung liegt der Topzins Anfang September bei rund 3,7 Prozent, der Marktdurchschnitt näher an 4,0 Prozent. Die Richtung für den Rest des Jahres: seitwärts mit leichter Aufwärtsneigung. Eine Rückkehr zu den alten Niedrigzinsen steht nicht zur Debatte.

14:15 Uhr
EZB-Zinsentscheid heute
2,50 %
von den Märkten erwarteter Einlagesatz
3,7–4,0 %
Bauzins 10 Jahre, Stand Anfang September

Eigentümer: Höhere Zinsen drücken die Budgets Ihrer Käufer – ein realistischer Angebotspreis verkauft schneller als ein Wunschpreis, der Interessenten aussortiert. Wer eine Anschlussfinanzierung in zwei bis drei Jahren braucht, rechnet ein Forward-Darlehen jetzt durch.

Käufer: Warten kostet hier eher, als es spart. Holen Sie mehrere Finanzierungsangebote parallel ein und kalkulieren Sie mit Puffer – die solide Kalkulation schlägt den perfekten Einstiegszins.

Herbstfenster: Wer im Oktober verkaufen will, bereitet jetzt vor

Der Verkaufszeitpunkt entscheidet über den Preis stärker, als viele denken. Eine Auswertung von rund 5,8 Millionen Verkaufsangeboten der Jahre 2017 bis 2022 zeigt ein klares Muster: Objekte, die im Oktober inseriert wurden, erzielten im Schnitt die höchsten Preise – vor Mai und Juli. Am schwächsten schnitt der Dezember ab. Der Grund ist die Nachfrage: Nach den Sommerferien kehrt die Kaufkraft zurück, viele Käufer wollen vor dem Jahreswechsel unter Dach und Fach sein, und das Angebot ist im Frühherbst noch überschaubar.

Nur: Ein Objekt inseriert man nicht über Nacht. Zwischen Entscheidung und marktreifem Exposé liegen Wertermittlung, Unterlagen, Energieausweis, Fotos und Vermarktungsstrategie – realistisch vier bis sechs Wochen. Wer das Oktober-Fenster treffen will, trifft die Entscheidung also in diesen Tagen, nicht erst im Oktober.

Oktober
statistisch stärkster Inseratsmonat für den Verkaufspreis
4–6 Wochen
Vorlauf von der Entscheidung bis zur Marktreife

Eigentümer: Wenn ein Verkauf für dieses Jahr im Raum steht, starten Sie die Vorbereitung jetzt – nicht im Oktober. Wir bringen Ihr Objekt in vier bis sechs Wochen marktreif ins beste Fenster des Jahres.

Käufer: Im Herbst kommt frisches Angebot auf den Markt. Halten Sie Finanzierung und Kriterien bereit, um bei einem passenden Objekt sofort handlungsfähig zu sein.

10.308 genehmigt, nie gebaut: Kölns Bauüberhang auf Rekordhoch

In Köln stapeln sich die Wohnungen, die genehmigt, aber nicht gebaut sind: rund 10.308 Einheiten – ein historischer Höchststand im Bauüberhang. Gleichzeitig wurden zuletzt nur 1.819 Wohnungen in einem Jahr fertiggestellt, ein Einbruch von 48,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwischen Baugenehmigung und fertiger Wohnung liegen in Köln also nicht nur Jahre – oft liegt dazwischen ein Bauantrag, der wegen Zinsen und Baukosten gar nicht erst umgesetzt wird.

Für den Bestand hat das eine klare Folge: Neuer Wohnraum kommt tröpfchenweise, die Nachfrage in Köln bleibt. Jede Bestandsimmobilie in guter Lage gewinnt dadurch an Gewicht. Der Gegen-Hebel für Eigentümer mit eigenem Grundstück heißt Bau-Turbo – das seit Oktober 2025 geltende Baurecht macht Aufstockung, Anbau oder ein zweites Haus möglich und hebt genau die Ausbaureserve, die im Bauüberhang steckenbleibt.

10.308
genehmigte, nicht gebaute Wohnungen – Rekord im Bauüberhang
1.819
fertiggestellte Wohnungen, rund −48,5 % zum Vorjahr

Eigentümer: Knappes Neubauangebot stützt den Wert Ihres Bestands – und ein genehmigungsfähiges Zusatz-Baurecht hebt ihn zusätzlich. Wir prüfen, was in Ihrem Grundstück steckt.

Käufer: Warten Sie nicht auf die große Neubauwelle – sie kommt in Köln absehbar nicht. Bestand in guter Lage bleibt der realistische Weg zum Eigentum.

ImmoBiehler-Einordnung

Die Woche zeigt einen Markt, der sich bewegt – nur nicht dort, wo die Portale hinschauen. 5,68 Milliarden Euro Umsatz und 21 Prozent Plus bei den beurkundeten Kaufpreisen heißen: Es wird verkauft, aber zum Kaufpreis, nicht zum Angebotspreis. Die drei Fakten, die zählen:

  • Angebot ist nicht Kaufpreis: In Toplagen wie Lindenthal liegen Aufrufe zweistellig über dem, was beurkundet wird – realistisch bepreisen schlägt hoch pokern.
  • EZB heute um 14:15: Der Schritt auf 2,50 % ist eingepreist, der Bauzins bleibt um 4 Prozent – Finanzierung jetzt festzurren, nicht auf billiges Geld warten.
  • Oktober-Fenster: Der stärkste Verkaufsmonat verlangt jetzt die Vorbereitung – vier bis sechs Wochen Vorlauf.

Die Hinweise zu Finanzierungs-, Steuer- und Rechtsfragen sind allgemeine Information und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.

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