Kölner Immo News

11. Juni 2026

Der Marktbericht von ImmoBiehler e.K.

Diese Woche hat es in sich: Heute Mittag bricht die Europäische Zentralbank mit ihrer Zins­senkungs­ära. Köln zieht die Grundsteuer auf 550 Prozent. Der städtische Eigenbetrieb für die Parkstadt Süd nimmt Fahrt auf. In 19 Tagen läuft die Frist für den Kölner Wärmeplan ab. Und der Markt zeigt zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder steigende Wohnungspreise. Wir ordnen ein – ohne Geschwafel.

Finanzierung

EZB-Zinswende: Erste Erhöhung seit 2023 – das verändert sich für Käufer in Köln

11. Juni 2026, 14:15 Uhr: Die EZB hebt den Einlagenzins von 2,00 auf 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt auf 2,40 Prozent. Es ist die erste Anhebung seit September 2023 – und sie kommt mit Ansage.

Auslöser ist die zweite Inflationswelle nach 2022. Die Kerninflation im Euroraum lag im April 2026 bei 3,0 Prozent – ein voller Prozentpunkt über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent. Der Iran-Konflikt treibt die Energiepreise: Allein im Mai 2026 verteuerten sich Energieprodukte um 10,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach auf der Pressekonferenz von „aufwärts gerichteten Risiken“ für die Inflationsaussichten.

Für Käufer in Köln zählt nicht der Leitzins, sondern der Bauzins. Und der hatte schon vor der heutigen Sitzung angezogen: Die Top-Konditionen für 10-jährige Baufinanzierungen lagen Anfang Juni bei 3,38 Prozent – mit Dynamik nach oben. Im Mai schwankten Banken zwischen 3,47 und 3,69 Prozent. Marktbeobachter wie Florian Pfaffinger von Dr. Klein rechnen mit zwei weiteren EZB-Schritten bis Jahresende.

Quellen:

  • EZB-Pressekonferenz vom 11.06.2026, 14:45 Uhr
  • Dr. Klein Zinskommentar Juni 2026 (Stand 08.06.2026)
  • finanzen.net: EZB-Zinsentscheid vom 11.06.2026
  • LBBW Markt-Analyse zum EZB-Termin Juni 2026

ImmoBiehler-Einschätzung:

Was bedeutet das für Sie als Käufer?

Wer in Köln eine Eigentumswohnung für 400.000 Euro mit 80 Prozent Beleihung finanziert, zahlt pro 0,25 Prozentpunkte Zinsanstieg rund 800 Euro mehr pro Jahr. Über 10 Jahre Sollzinsbindung ergibt das 8.000 Euro Mehrkosten. Wer einen Finanzierungsabschluss erwägt, sollte jetzt Konditionen einholen und Forward-Darlehen prüfen – die Märkte preisen weitere Erhöhungen ein.

Was bedeutet das für Sie als Eigentümer?

Steigende Zinsen drücken die Nachfrage – und damit den Spielraum für Preissteigerungen. Wer in den nächsten 12 bis 24 Monaten verkaufen will, sollte die Strategie schärfen: Anchor-Preis, Vermarktungstiming und Zielgruppenansprache entscheiden jetzt über 5 bis 15 Prozent Erlös. Wer hingegen in eine Anschlussfinanzierung läuft, sollte sofort rechnen lassen – ein Forward-Darlehen jetzt kann das Zinsniveau für 2027 oder 2028 sichern.

Steuern und Politik

Grundsteuer-Hammer in Köln: Hebesatz steigt auf 550 Prozent

Der Stadtrat hat im Dezember 2025 beschlossen: Ab dem 1. Januar 2026 gilt in Köln ein Hebesatz für die Grundsteuer B von 550 Prozent – statt bisher 475 Prozent. Das sind 75 Prozentpunkte mehr in einem Sprung.

Die Stadt begründet den Schritt mit einem 7-Millionen-Euro-Loch: Statt der erwarteten 237 Millionen Euro flossen 2025 nur 230 Millionen Euro aus der Grundsteuer B. Grund war die Neubewertung der Grundstücke durch die Finanzämter im Zuge der bundesweiten Grundsteuerreform. Die Grundsteuer ist nach Gewerbe- und Einkommensteuer die drittgrößte Einnahmequelle der Stadt Köln.

Köln liegt damit aber weiter unter dem NRW-Schnitt: Großstädte in NRW liegen im Mittel bei 672 Prozent. Leverkusen kommt auf 750 Prozent, Odenthal auf 790 Prozent. Hürth zum Vergleich: 446 Prozent. Köln ist nach der Erhöhung also immer noch unterdurchschnittlich – das wird in der Debatte gerne vergessen.

Quellen:

  • Grundsteuerhebesatzung 2026 der Stadt Köln (Bekanntmachung 18.12.2025)
  • Stadt Köln, Pressemitteilung zur Grundsteuerreform
  • t-online Köln: „Von Müll bis Hund – Steuern steigen 2026″ (17.12.2025)
  • Statista: Hebesätze Grundsteuer B Bundesländer

ImmoBiehler-Einschätzung:

Was bedeutet das für Sie als Eigentümer?

Die Erhöhung um 75 Prozentpunkte entspricht einer Mehrbelastung von rund 15,8 Prozent gegenüber 2025. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung in mittlerer Kölner Lage bedeutet das je nach Grundstückswert zwischen 80 und 200 Euro mehr pro Jahr. Wichtig für Vermieter: Die Grundsteuer ist über die Betriebskostenverordnung umlagefähig – sie wird also über die Nebenkostenabrechnung an Mieter weitergegeben.

Was bedeutet das für Sie als Käufer?

Rechnen Sie die neue Grundsteuer in Ihre Kalkulation. Bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung im Kölner Süden mit hohem Bodenrichtwert können das jährlich 600 bis 900 Euro sein – diese Summe geht direkt vom Cashflow ab oder, bei Eigennutzung, vom Haushaltsbudget. Eine Grundsteuer C für unbebaute baureife Grundstücke ist in Köln aktuell nicht geplant – das schützt Grundstückseigentümer vor weiterer Belastung.

Stadtentwicklung

Parkstadt Süd: 3.300 Wohnungen für Bayenthal, Raderberg und Zollstock

Seit dem 1. Januar 2026 arbeitet der städtische Eigenbetrieb „Planung und Realisierung der Parkstadt Süd“. Der Großmarktbetrieb endete am 31. Dezember 2025. Auf 115 Hektar im Kölner Süden entsteht eines der größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands.

Die Eckdaten: 3.300 bis 3.500 neue Wohnungen, Gewerbeflächen für rund 4.300 Arbeitsplätze, 30 Hektar neue Grünfläche – inklusive der Vollendung des Inneren Grüngürtels, einer Vision aus der Adenauer-Zeit. Das Pilotprojekt SechtM an der Sechtemer Straße in Raderberg ist bereits weitgehend fertig: 211 Wohnungen, davon 74 öffentlich gefördert, plus 45 Studenten-Appartements. Bezug läuft gestaffelt seit Oktober 2025 bis Januar 2026.

Am 19. Juni 2026 lädt die Stadt zur „Langen Tafel der Baukultur“ auf das Großmarktgelände – die nächste Bürgerbeteiligung mit dem Planungsteam steht damit unmittelbar vor der Tür.

Quellen:

  • parkstadt-sued.de (Stand Juni 2026)
  • Stadt Köln: Pressemitteilung zur Gründung des Eigenbetriebs (17.06.2025)
  • GAG Immobilien AG: SechtM-Projekt­dokumentation

ImmoBiehler-Einschätzung:

Was bedeutet das für Sie als Eigentümer in Bayenthal, Raderberg oder Zollstock?

Stadtentwicklungsprojekte dieser Größenordnung wirken in zwei Phasen auf Bodenrichtwerte: kurzfristig dämpfend (Baulärm, Staus, Belastung) und mittelfristig wertsteigernd (neue Infrastruktur, Grünflächen, höhere Wohnqualität). Raderberg dürfte am stärksten profitieren – das Veedel rückt näher an das Premium-Niveau von Bayenthal heran. Wer in den nächsten 24 Monaten verkaufen möchte, sollte die Verkaufsstrategie genau auf diese Übergangsphase ausrichten: Käufer kalkulieren das „Baustellenrisiko“ mit Abschlägen, Spekulanten dagegen mit Aufschlägen für die spätere Wertentwicklung.

Was bedeutet das für Sie als Käufer?

Wer jetzt in Raderberg oder Zollstock kauft, sichert sich Preise vor dem sichtbaren Quartiers­start. Die größten Wertsprünge bei vergleichbaren Projekten (HafenCity Hamburg, Europaviertel Frankfurt) kamen erst, als die ersten Bewohner einzogen und der Park nutzbar wurde. Wichtig: Vor dem Kauf die konkrete Lage zum geplanten Baufeld prüfen – ein Standort mit Blick auf den künftigen Grüngürtel ist etwas anderes als eine Wohnung direkt neben einer 10-Jahres-Baustelle.

Energie und Recht

Wärmeplan Köln: Stichtag 30. Juni 2026 – was Eigentümer jetzt wissen müssen

Am 30. Juni läuft die Frist ab. Köln muss als Großstadt bis zum 30. Juni 2026 die kommunale Wärmeplanung vorlegen – fachlich ist der Plan bereits abgeschlossen. Was viele Eigentümer nicht wissen: Der Plan selbst verpflichtet niemanden. Die rechtlichen Folgen ergeben sich aus dem Gebäudeenergiegesetz.

Die zentralen Fakten: 74 Prozent der Kölner Gebäude wurden vor 1979 errichtet – die meisten mit fossiler Heiztechnik. Nach dem 30. Juni 2026 gilt beim Einbau einer neuen Heizung in Bestandsgebäuden in Köln die 65-Prozent-Regel: Mindestens 65 Prozent der erzeugten Wärme müssen aus erneuerbaren Energien stammen. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro.

Die Stadt setzt zusammen mit der RheinEnergie auf eine duale Strategie: 3,8 Milliarden Euro Investition, Europas größte geplante Flusswasser-Wärmepumpe (Baubeginn ab 2026, Inbetriebnahme 2028). Aber Achtung: Nur 22 bis 26 Prozent der Kölner Gebäude sollen langfristig an Fern- oder Nahwärme angeschlossen werden. Über 70 Prozent bleiben dezentral – meist mit Wärmepumpen oder hybriden Systemen.

Geplant ist außerdem die Reform des GEG zum „Gebäudemodernisierungsgesetz“ (GMG), Inkrafttreten voraussichtlich 1. November 2026. Die Bundesregierung will die 65-Prozent-Regel flexibler gestalten – ab 2029 soll eine „Biotreppe“ steigender Anteile grüner Brennstoffe für fossile Heizungen kommen.

Quellen:

  • Stadt Köln: Kommunale Wärmeplanung (Stand 2026)
  • RheinEnergie AG: Flusswasser-Wärmepumpe Köln
  • BMWK: Eckpunktepapier
  • ebäudemodernisierungsgesetz (Februar 2026)
  • Heid Immobilien GmbH: GEG-Pflichten Köln (16.02.2026)

ImmoBiehler-Einschätzung:

Was bedeutet das für Sie als Eigentümer?

Warten lohnt selten. Wer eine Heizung über 20 Jahre alt hat, sollte jetzt rechnen lassen, statt auf den GMG-Entwurf zu hoffen. Die Bundesförderung BEG bleibt bis mindestens 2029 erhalten und zahlt bis zu 70 Prozent Zuschuss (max. 21.000 Euro pro Einfamilienhaus). Wer bis Ende 2028 die alte Gas­heizung tauscht, sichert sich den Geschwindigkeitsbonus. Vor jedem Heizungstausch sollten Sie prüfen lassen, ob Ihre Adresse im Wärmeplan für Fernwärme vorgesehen ist – die Wärmenetz-Anschluss­bereiche stehen auf dem NRW-Beteiligungsportal.

Was bedeutet das für Sie als Käufer?

Beim Kauf eines Bestandsgebäudes verlieren Sie meist die Bestandsschutzklausel der Voreigentümer. Konkret: Eine 30 Jahre alte Gasheizung müssen Sie als neuer Eigentümer in der Regel innerhalb von zwei Jahren ersetzen. Verhandeln Sie diese Sanierungs­kosten in den Kaufpreis ein – für ein Einfamilienhaus reden wir über 25.000 bis 45.000 Euro Investition, abzüglich Förderung.

Marktdaten

Kölner Marktdaten Q2/2026: Wohnungen +4,2 %, Mieten +4,95 % – die Trendwende ist da

Nach zwei Jahren Seitwärtsbewegung ziehen die Kölner Wohnungspreise wieder an. Die aktuellen Zahlen zum Q2/2026 zeigen: Das Tal ist durchschritten – aber nicht flächendeckend.

Die Eckdaten zum Stand Juni 2026:

  • Eigentumswohnungen Köln: 4.945 Euro/m² Angebotspreis, +4,2 Prozent zum Vorjahr (Quelle: immowelt)
  • Häuser Köln: 4.987 Euro/m² Angebotspreis, leichte Stagnation
  • Mietpreise Köln: 13,14 Euro/m² Kaltmiete (Q1/2026), +4,95 Prozent zum Vorjahr (ImmoScout24)
  • Innenstadt Köln: 15,96 Euro/m² Miete, +5,1 Prozent
  • Ehrenfeld: 14,15 Euro/m², Lindenthal: 14,53 Euro/m² – beide über dem Stadt-Schnitt

Auffällig: Häuser haben den Preisrückgang seit Q2 2022 noch nicht aufgeholt (damals 5.268 Euro/m², heute knapp darunter). Wohnungen drehen früher, weil die Nachfrage in guten Lagen nie wirklich abgerissen ist. Bauzinsen um 3,5 Prozent sind für Käufer zwar ungemütlich, aber kalkulierbar – die Verunsicherung der Jahre 2023/2024 ist gewichen.

Quellen:

  • immowelt: Immobilienpreise Köln, Juni 2026
  • ImmoScout24: Mietspiegel Köln Q1/2026
  • Engel & Völkers: Marktentwicklung Köln, Stand 02.06.2026
  • immoportal: Köln-Preise zum 01.05.2026

ImmoBiehler-Einschätzung:

Was bedeutet das für Sie als Eigentümer?

Wer eine Eigentumswohnung in guter Kölner Lage besitzt, kann jetzt verkaufen, ohne den Bodensatz mitzunehmen. Aber: Die +4,2 Prozent gelten für Angebotspreise im Schnitt – Ihr individueller Verkaufserlös hängt an Zustand, Energieklasse, Lage und Vermarktungs­konzept. Häuser brauchen länger und einen schärferen Anker­preis. Die heutige EZB-Entscheidung wirkt erst in 4 bis 8 Wochen voll auf den Markt – wer jetzt startet, vermarktet noch im Aufwärts­trend.

Was bedeutet das für Sie als Käufer?

Das Zeitfenster mit fallenden oder seitwärts laufenden Preisen schließt sich. Wer 2025/2026 abgewartet hat, sollte jetzt nicht weiter zögern – höhere Bauzinsen plus höhere Kaufpreise wirken doppelt belastend. Kapital­anleger sollten Köln im Q2/2026 mit Mietrenditen zwischen 3,0 und 3,8 Prozent in guten Lagen kalkulieren – Tendenz steigend wegen anziehender Mietpreise.